09.12.2008

Bordering on insanity


Ich zitier hier mal einen Bekannten: "Die Leute mit denen wir gesprochen haben war sich sehr bewusst das "the troops on the ground" momentan andere Sachen dringender brauchen als F-22 overhead, zb. wären mehr AC-130 und mehr Hubschrauber nötig."

Ach... Ist dem tatsächlich so?
Oder ist das ganze nicht eher das Produkt völliger falscher procurement policy seitens der Army und schwachsinniger Einsatzdoktrine?

Das was die Air Force mittlerweile seit 2001 für die Army macht ist eine spezielle Art von CAS. Die Plattform - F-15E, F-16C, A-10C, AC-130U - spielt dabei keine Rolle; nur die Mission zählt. Die Mission: time sensitive, well aimed, fire support for ground forces.

Aber, sollte die stärkste Landstreitmacht auf diesem Planeten (wenn wir Rotchina mal aussen vor lassen) nicht fähig sein ein paar Kameltreiber selbst wegzublasen ohne dafür einen Schwarm Vipers zu brauchen?

Sollte - ist aber nicht. Die Gründe dafür liegen zum einen in der Einsatzdoktrin - immer leichtere, immer mobilere Kräfte denen im Zweifelsfall einfach die Feuerpower fehlt; sowie das völlige Vermeiden von direkten Konfrontationen seitens der Army um nicht in Hinterhalte (IED und Co.) zu laufen - dass man mit dem blinden Niederbomben von Zielen zuweilen mal eine Schule oder eine Hochzeitsgesellschaft ausräumt lassen wir mal beiseite.
(Da gibts die nette Geschichte in der man eine Luftwaffe im Gegenwert, im Gegenwert der "Luftwaffe" gebraucht hat um ein Halbbataillon Turbanträger auszurotten. Den selben Effekt hätt eine Kompanie Abrams auch erzielen können zu einem vierzigstel des Preises.)
Und zum anderen sind die Gründe dafür in einer Beschaffungspolitik der Army zu finden die "bordering on insanity" ist.

Welche Waffensysteme führt die Army ein?
  • Raketenartillerie - HIMARS
Wunderbar um ein Bataillon der Roten Armee aufzureiben (obwohl MLRS die selbe Mission genauso erfüllt) aber kaum geeignet um Feuersupport gegen Insurgents zu geben.
  • Langstreckenartillerie - ATACMS
Schön um irgendwelche Einrichtungen in einem realen Krieg zu zerstören aber kaum geeignet um Feuersupports gegen Insurgents zu geben.
  • Luftabwehrsysteme - Linebacker
Toll um irgendwelche Feindluftfahrzeuge runterzuholen (gesetzt dem Fall in der Air Force ist allgemeine Demenz eingekehrt - mehr Demenz als aktuell, that is - und man hat die Feindluftwaffe nicht nach acht Stunden plattgemacht) aber kaum...
  • Panzerabwehrsysteme - KEM, JCM...
Ausgezeichnet um einen T-95 auf zwei Meilen Entfernung in Altmetall zu verwandeln (zumindest für den Fall in dem die Apaches nicht ohnehin jedes feindliche Panzerbataillon mit 100 Hellfires eingedeckt haben bevor eine Bodeneinheit überhaupt Feindkontakt hat) aber... well, you got the point.

Dafür fehlt der Army eine preiswerte, primitive, grosskalibrige Waffe um gegen Bunker und Infanterie vorzugehen - wie eine RPO. Auch die Erhöhung der Feuerkraft der Infanterie-Teams durch neue MGs - vorzugsweise in grösserem Kaliber - scheint keine Priorität zu geniessen. Auch die Verwendung von schweren Granatwerfen (Milkor z.B) - hervorragend geeignet um ganze Platoons in Stücke zu reissen - beschränkt sich bis jetzt auf einzelne Stück pro Brigade. Oder wie wärs mit einem neuen Leichtgewichtsmörser der an der Front eingesetzt werden kann und den Vietnamkriegs-Schrott ablöst? Für die 155er Ari könnte man auch gelenkte RAP-Projektile einführen - ein Vorhaben an dem die Army seit 20 Jahren scheitert. Und so ein AGS - Sheridan, Ridgeway, BMP-3 oder irgendein x-beliebiges Fahrzeug mit einer 90mm-Niederdruckkanone - zur Verstärkung der Infanterie wär auch ein Hit. Ach nein, lieber nicht...

Der Air Force vorzuwerfen dass die für Dinge plant die seit Gründung der RAF vor 90 Jahren in jedem "Pflichtenheft" einer Luftwaffe stehen - Erringung der Luftüberlegenheit z.B. - aber nicht dafür jedem Taliban eine SDB auf die Birne zu werfen entbehrt nicht einer gewissen Paradoxie wenn gleichzeitig die Army seit 15 Jahren am eigenen Bedarf komplett vorbeiplant und lieber Milliarden von Dollar in redundante Projekte steckt anstatt ihren eigenen Einheiten endlich genug organische - indirekte - Feuerkraft mitgibt um sich gegen feindlich Infanterie in schwierigem Gelände durchzusetzen.

Nur... in ein paar Jahren sind möglicherweise keine zwölfhundert abgezahlten Viper mehr vorhanden die Feuerunterstützung geben können - dann muss sich die Army das wieder selbst machen.

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