12.03.2011

Once more unto the breach

Fool me once, shame on you. Oder so ähnlich.
Aber das geht auch ganz anders. Nach Tschernobly hat man weltweit aufgehört Nukes zu bauen und wurschtelt statt dessen mit Reaktoren der zweiten Generation aus dem Jahre Schnee weiter, also genau mit jenen Todesfallen wie sie 86 eben in die Luft geflogen sind (oder 78...).

Und jetzt wundert man sich dass es in so einer Hütte aus den 60ern kracht weil man den Störfall nicht containen kann und der alle zwei Stunden eine Stufe auf der INES-Skala raufklettert. Und so fliegt ihnen jetzt in Japan ein 40 Jahr alter Siedewasserreaktor um die Ohren weil man das Klumpert nicht schon vor Jahren abgerissen hat.

Fool me twice, shame on me. Und anstatt jetzt endlich zu modernisieren, neue Nukes hinzustellen und den alten Schrott rauszuschmeissen (look no further than the Germans - ganz passend dass im AKW Isar, auch so einem Schrottreaktor aus dem Jahre Schnee, die Woche was passiert ist) kriegen jetzt wieder die Treehuggers Rückenwind und sämtliche Neubauüberlegungen gehen wieder in die Rundablage.

Klar, dabei hilft es auch nicht unbedingt dass die Japaner, trotz ihrer Abhängigkeit von Nuklearenergie, einen denkbar schlechten Track Record haben, mit dutzenden an Level 2-Störfällen. (Gut, der ganze Schmarrn aus der Toyotaschen Lean-Schule, mit Maximierung von Gewinn als oberstem Ziel, verträgt sich halt nicht sonderlich gut mit Sicherheit und Quality Control.)

Und wenn dann eine dieser 60er-Jahre-Gurken dann in 10 Jahren irgendwo in Europa in die Luft fliegt werden die einen (also die die dafür sorgen dass man nicht modernisieren kann) es eh schon immer gewusst haben und die anderen (also die die keinen Plan von Energiepolitik haben und lieber eine Billion Dollar in die Banken stecken anstatt ITER und NIF voranzutreiben) ganz erstaunt sein. Fool me thrice, quasi. Once more unto the breach, once more...

Ob Heinrich V. das geahnt hat?

4 Kommentare:

  1. Three Mile Island war 79...

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  2. weil die neuen reaktoren nicht prinzipiell sicherer sind als die alten. der ganze prozess ist inhärent unsicher. und obendrein unwirtschaftlich, wenn man die gesamtkosten betrachtet. totes pferd, absteigen, gut is.

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  3. Unsicher? Die meisten Industriesparten, inklusive Aerospace, wären froh wenn sie einen solchen Standard halten können wie die Kraftwerksbetreiber. Aber im Gegensatz zu den meisten anderen Sparten sind die Kraftwerksbetreiber verpflichtet Störfälle zu melden die es in einem Kohlekraftwerk nicht mal aus dem Leitstand schaffen, Störfälle die weniger Radioaktivität an den Menschen bringen als mein letzter Transatlantikflug. Und wenn du dann so wie die Tschechen in irgendeinem bilateralen Unfug drinsteckst musst du sogar nach Wien melden wenn die Duftsteine im Pissoir ausgegangen sind.

    Unwirtschaftlich? Kommt drauf an. Nach traditioneller Diktion wohl war. Bei genauerer Betrachtung stimmt das nicht mehr so ganz. Würdest du in die Fossilien-verheizenden-Kraftwerke auch die Kosten für die Endlagerung ihrer Abfallprodukte reinrechnen und den Brennstoff realistisch bewerten (anstatt den ganzen Abgasschmarrn in die Atmosphäre zu blasen und zu grinsen und Sprudel aus irgendwelchen Löchern von der arabischen Halbinsel zu verheizen der nur deswegen so billig ist weil man Peak Oil seit 20 Jahren weglügt) tät die Sache anders ausschauen.

    Ich hatte vor Jahren die Ehre in der Abklinghalle des oben erwähnten Schrottreaktor aus dem Jahre Schnee zu stehen - und das ist bei weitem mehr als die meisten Experten die in der Materie besser schweigen sollten vorweisen können. Ich war Befürworter, bin Befürworter und werde immer Befürworter bleiben.

    Wobei das aber gar nicht der Punkt ist. Der Punkt ist dass man wieder die Augen verschliesst und die Realität verleugnet. Und die ist derzeit auch noch dass wir Nukes brauchen werden - und dann solltens zumindest die bestmöglichen sein. Aber in punkto Energiepolitik agiert die Menschheit leider jenseitig.

    Aber schaun wir mal - die schreckliche Angie hat ja jetzt einen Vorstoss gemacht...

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