28.11.2009

Kollateralschäden

(Achtung, Deja vu.)

So hat sich also herausgestellt dass jener Luftangriff tatsächlich Kollateralschäden erzeugt hat. Und zwar nicht jene der Marke "Wos interessiern mi hundert tote Blossfussige?" sondern der Marke "Kleineres politisches Erdbeben".

In Deutschland hats jetzt also sowohl den Minister, als auch den GTI und eine handvoll anderer Beamte erwischt. Das bizarre daran ist ja dass dies nicht wegen der Bomberei selbst geschehen ist (was uns wieder mal den Beweis liefert wie wenig 100 Tote Afghanen irgendwenn kümmern) sondern weil man damit nicht umgehen konnte (was uns wieder mal den Beweis liefert dass die Meinungsmache wichtiger als jede Substanz ist).

Es ist also komplett irrelevant wieviel BS fabriziert wird solange mans nur "korrekt" handhabt. Ja, das lieb ich an der Welt...

Kurios aber wie lange so was anhält. Wenns aktuell ist hörst ja täglich dass keiner an Rücktritt denkt (wie überhaupt sowieso jeder schuldlos ist, von irgendwelchen Bauernopfern mal abgesehen), aber jetzt, zwei Monat später gab dann doch noch Kollateralschäden, 5000 Meilen vom point of impact entfernt.

Und irgendwo wird jetzt der Jung mit seiner Gitarre sitzen und leise singen: "So far away but I can feel the debris..."

27.11.2009

Winter's Weisheiten

Da spaziert also ein Zivilist in eine Kaserne, nimmt sich eine AUG und schiesst sich in die Birn. Und beim Bundesheer beunruhigt das niemanden.

Gute Güte... dem Verein ist wirklich nicht mehr zu helfen. Wenn ein Zivilist in eine Kaserne stapft und dort eine geladene AUG ausfasst sollt die erste Kugel die in ihm einschlägt die von der Wache sein, und nicht die von ihm selbst. In anderen Ländern würdest du unter Garantie down-gegunned werden wenn du dir mal eine G36, L85 oder M4 ausleichst. Bei uns beschränken sich die Wache und der Diensthabende darauf die Cops zu rufen.

Wer jetzt wieder rumschreit: Das MBG (§19 in dem Falle) erlaubt das sehr wohl - und wenn ich Wache stehe und jemand kommt an mir vorbei (alleine dafür sollt man die betreffenden schon court-martialen - wofür hab ich bitte eine Wache?) und greift sich ein Sturmgewehr dann würd ich wohl meinen dass §19 Abs. 1 gilt. Ich würd nämlich zu dem Zeitpunkt nicht drauf wetten dass das nur eine Selbstmörder ist und die Kugel für sich selbst verplant hat.

Aber klar, was erwartest wenn du ans Kasernentor Wachsoldaten stellst denen beim Zuknallen der Tür der Flaum aus dem Gesicht fällt und der Diensthabende grad mim dritten Vierterl Roten in der Stube sitzt. Beide schlecht ausgebildet, reichlich planlos und ohnehin nicht bei der Sache (no na, dem einen ists wurscht weil er schon die Tage bis zum Abrüsten zählt, und dem anderen weil er eh pragmatisiert ist).

Vielleicht sollt man schön langsam beginnen diese Farce Wachdienst zu beenden und die Soldaten auf die P80 oder einen Taser downgraden anstatt ihnen eine .223er FMJ-Rifle in die Hand zu drücken mit der sie gar nicht schiessen sollten weil das Projektil gerne mal 4 moderne Leichtbauwände durchschlägt oder unter Umständen als Durchschuss die ältere Frau zwei Strassen weiter von ihren Sorgen erlöst. (Vom AssE gar nicht zu sprechen...)

Wobei. Man könnt die Wache auch gleich lassen. Wies der Vizeleutnant Winter mal so schön gesagt hat: "Wennst in a Kasern wüst, krei üban Zau. Foit kan Mensch auf, netamol am Tog." Ein kluger Mann der Herr Winter. Invasion über die Hintertür quasi...

26.11.2009

Metal of Honour

Letzte Woche hats wieder einen Veteranen erwischt. Gut, das ist jetzt per se nix ungewöhliches. Leute sterben eben.

Aber interessant ist wens erwischt hat - das war nämlich Col. Lewis L. Millett, USAR (ret.), MoH. Die MoH hat er im Koreakrieg bekommen weil er sein Seitengewehr aufgeflanscht hat und damit Schlitzaugen abgestochen hat.

Sein Tod hat da eine gewisse symbolische Bedeutung. Das war nämlich das letzte Mal dass ein US-Soldat mit dem Feitl jemanden verräumt hat. Und vielleicht auch passend zu gestern und der schönen neuen Welt in der mit smarter Munition irgendwelche Roboter sich gegenseitig abschiessen. Eine Welt in ders keine Feitln mehr gibt weil die sowieso keinen Stahl mehr schneiden.

Dabei sollt uns gerade die Geschichte in AStan zeigen wie schnell man mit diesen smarten Drohnen ansteht und ein paar Troopers mit Seitengewehr durchaus brauchen könnte. Echte Doughboys quasi, und keine Doughnut-Fresser (im klimatisierten Container in Indian Springs). Klar, man sagt für gewöhlich "Force your foe to fight your way, and not you to fight his way" - aber für einen Guerillakrieg wirds das halt nicht spielen, never ever. Das is ein bissel das bizarre an der Sache: Es heisst dauernd "fight the wars we're in today" aber bei der ganzen Technologiegeilheit die in den Militärs so herrscht versucht man das ganze mit der Technologie für den nächsten Weltkrieg zu machen anstatt die Guerillas mit ihren eigenen Methoden zu schlagen - die dann unter anderem auch bedeuten würden die ganze Technik gegen Feitln und Flinten einzutauschen.

Net umsonst gibts heutzutage fast keine MoHs mehr - weil im Krieg mittlerweile zuviel Metall und zuwenig Fleisch steckt. Na, vielleicht macht man ja eine Metal of Honour draus...

25.11.2009

Intelligenzfrage

Hatte in der letzten Zeit des öfteren Gelegenheit mit ein paar Hardcore-IT-Menschen zu tratschen. Und neben all dem Microsoft-Bashing welches dabei halt zwangsweise entsteht kommt man manchmal auch auf (also zumindest für den Blog hier) interessante Themen, wie Künstliche Intelligenz.

Ich bemüh hier mal nicht den Duden oder das Oxford Dictionary - aber für echte Intelligenz braucht man schon mehr als stetig steigende Rechnerleistung. Wenn du nur mehr Hertzen und Bytes verbrätst bekommst du zwar mit der Zeit immer bessere Resultate, mit Intelligenz hat das aber nix zu tun.

In einem mehr oder weniger begrenztem System mag das zwar ausreichen um irgendwelche Systeme als pseudo-intelligent zu beschreiben - und autonom agieren zu lassen! - aber in vielen Dingen wird das nicht gehen.

Nicht umsonst wird der Man-in-the-loop bei der Air Force noch recht lang existent sein, so intelligent können die zukünftigen UCAVs (oder dieses schon verdächtig skynetige Zeugs welches zuweilen hinter den Rolladen irgendwelcher Army-Labs zu sehen ist) gar nicht sein. Denn taktische Intelligenz ist schon schwer genug zu skripten, aber wenn du dann noch Koordination und Kommunikation mit alliierten Kräften sowie die Gschicht mit der Moral hinzunimmst wirst sehr schnell in Situationen landen die nicht mit ein paar If-Then-Else-Skriptln zu lösen sind.

Mal davon abgesehen dass die Drohnen-Kriegführung eine Implikation hätte die die wenigsten sehen. A Taste of Armageddon, anyone? Es ist das schlichte Wesen eines Krieges dass dabei Menschen sterben - das ist sogar einer der Kernpunkte. Denn ein Krieg der nur von Maschinen geführt wird ist kein Krieg - und würde letztlich zu einer Renaissance der WMDs führen um damit die Menschen zu töten die man auf dem kybernetischen Schlachtfeld hinkünftig nicht mehr vorfindet. Und ob das wirklich so intelligent ist statt toter Soldaten tote Zivilisten zu haben sie mal dahingestellt.

22.11.2009

1-2-3, don't sue me

Geld macht keinen glücklich. So sagt man.
Kein Geld macht keinen glücklich. So sollts natürlich richtiger heissen.

Natürlich haben irgendwelche Entschädigungszahlungen noch keinen Toten der bei irgendwelchen Unfällen ums Leben gekommen ist wieder ins Leben zurückgeholt. Trotzdem verbreitet sich die Unart über den oft zivilrechtlichen Weg von irgendjemandem, vorzugsweise jemandem ders hat (eh klar), ein paar Millionen rauszupressen um den Verlust von jemandem besser überwinden zu können. Auch wenn der Verlust in den meisten Fällen eigentlich eine Variante des Darwin-Awards ist.

Schiesserei in Krems, Unfall auf der A22, und natürlich jeder einzelne Dollar der irgendwann irgendwo einem Hersteller von Zigaretten und Schnapps rausgepresst wurde.

Und jetzt auch der leicht misslungene Luftangriff in BW/USAF-Kooperation. Auch dort fordern jetzt scheinbar einige Afghanis ein paar Euros aus Berlin.

Ja, wenn ich in einer Terroristenhochburg in der die NATO 70,000 Soldaten stationiert hat rund um ein paar gestohlene Tanker rumhänge und darauf warte meinen Teil abzuzapfen ist natürlich nicht damit zu rechnen dass die ISAF einschreitet. Dass sies so drastisch getan hat ist wieder eine andere Sache, aber letztendlich spielts keine Rolle obs 7 tote Zivilisten durch Kleinwaffen oder 70 tote Zivilisten durch eine Bombe gibt - wundern darf sich von denen keiner.

Wenn sich in meiner Strasse eine FlAK-Batterie eingräbt würd ich auch das Weite suchen - weil mit Angriffen zu rechnen wäre. Und nicht dann hinterher jemanden verklagen. (Natürlich gibts da Ausnahmen. Manche hindern ja die Zivilisten am verlassen des Gebietes um nachher eine schöne Story für Al Jazeera zu bekommen. Aber das ist eher mehr eine Eigenart der Araber.)

Aber klar, was gibts für eine einfachere Gelegenheit um sich das Leben zu versüssen. Und ich kann mir gut vorstellen dass ein neues Haus und die Mercedes-Sammlung eine tolle Sache sind. Gut, nicht unbedingt für deinen zerbombten Bruder, der hat davon eher weniger. Aber das ist ja nicht dein Problem.

21.11.2009

Kreisbahnen

Soso... seit heut früh läuft also der CERNsche LHC wieder. Oder sagen wir mal er läuft. Beim ersten mal konnte mans ja kaum Betrieb nennen.

Wenn man mal vom Apollo-Projekt absieht (welches ja ohnehin wieder semi-militärisch war) handelt es sich dabei um das grösste zivile Projekt der Welt. Nur: die Herren in ihren Labormänteln und mit ihren Nickelbrillen sind scheinbar um nichts gescheiter als die Herren in ihren Uniformen und mit ihren Nachtsichtbrillen (- auch wenn sie sich dafür halten; die intellektuelle linke dachte sich schon immer der intellektuellen rechten überlegen...).

In beiden Welten schafft mans problemlos Milliarden in ein Projekt zu versenken und beim ersten Test draufzukommen dass das Klumpert gar nicht geht. Der Kollider hätt ja schon seit 13 Monaten laufen sollen, ist aber gleich beim Hochfahren eingegangen.
Da passt dann auch die Sache dazu mit dem Vogel der (vor ein paar Wochen) Brotkrumen hinterlassen hat was beinahe zum nächsten Fiasko geführt hätte.

Klar: Man versenkt Milliarden in irgendwelche Dinge und vergisst dann auf solche Kleinigkeiten wie Vogelgitter...
Ganz aktuelles Beispiel: die LCS. Die (also LCS-2) bestreitet zur Zeit ihre Trials. Und bei dem Kahn wusste man ja bereits vor dem Test dass das Klumpert gar nicht geht. Gut, insoferne sind die Kerle in ihren Labormänteln doch noch ein bisschen schlauer.

Der Witz ist ja dass das ganze tatsächlich läuft wie im Beschleuniger (na, den SLAC vielleicht ausgenommen): stetig nur im Kreis. Bei jedem Projekt gehts von vorne los.

20.11.2009

Kings of the Stone Age

Da spielt man also gegen Spanien (das sind immerhin jene die unlängst mit den Argentiniern Suchs-Balli gespielt haben) und wird naturgemäss abgefertigt. Dass der B-Elf der Spanier dabei eine 60 %-Leistung reicht um das Team in die höchste Heimniederlage seit 15 Jahren (ebenfalls ein 1:5, damals gegen Deutschland) reinzudrängen erwähnen wir lieber nicht.

Das was sich dann aber nach dem Spiel abgespielt hat war aber noch kurioser. Haben vor dem Anpfiff einige gerätselt was in den Teamchef gefahren war dass er tatsächlich mit zwei AVs aufmarschiert ist wurde nach dem Spiel deutlich dass selbige Aktion nur darauf abgezielt hat den AVs die Niederlage anzukreiden und, wie auch medienwirksam verkündet, wieder auf eine Viererkette mit 4 Innenverteidigern zu wechseln (und wenn dann der Paulee oder der Franky noch vor der Abwehr spielt hat er fast das halbe Blankett mit IVs befüllt).

Das ist natürlich eine Devolution (kann man das so sagen?) in die Fussball-Steinzeit (und auch deshalb ulkig weil bei den Spaniern Sergio Ramos, RAV, einer der Aktivposten war). Aber in Österreich scheinbar machbar ohne dass man ins Exil gejagt wird.

Es gibt auch im militärischen einige Beispiele für eine Rückkehr in längst vergangen geglaubte Zeiten. Flugzeuge mit Leistungsparametern einer P-47 etwa weil man glaubt damit Kriege führen zu können (die heissen halt Drohnen). Oder Befestigungsanlagen wie zu Zeiten der Türkenkriege weil ja der Feind auch mit Infanterie und Pferdefuhrwerken angerückt wäre (die nannte man dan FAn).

Eigentlich interessant wie manche immer wieder versuchen den Lauf der Geschichte umzukehren...