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13.08.2010

Eine Woche in New England, Teil 6

Disclaimer: Das rumschleichen um Anlagen welche mit gelben Schüdln, dem amerikanischen Pendant (a.k.a. UODFA - "Use of deadly force authorized") oder irgendwelchen Verbotsschildln beklebt sind, sowie deren betreten oder fotografieren ist ein Akt der sich am Rand nicht nur der Legalität sondern auch der Vernunft bewegt, zuweilen auch darüber. Ich rate dringend davon ab selbiges zu tun - es reicht schon wenn ich das, hierzulande, in den USA oder sonstwo, mache.

"Very british"

Noch bevor wir (meine Schwester war wieder mit an Bord) unser erstes (und einziges verplantes) Ziel erreicht hatten gabs einen change of plans. Die Ausfahrt Foxboro an der I-95 kam irgendwie dazwischen. Was in Foxboro interessantes ist? Das Gilette Stadium, Heimat der New England Patriots und New England Revolution. Eine Woche vor Beginn der NFL Season (also morgen) trainierten die Revs im Stadion, nichtsdestotrotz fanden sich vorm Stadion mehr Leut als hierzulande bei einem Zweitliga-Fussballspiel. Wir brachen dann doch auf in Richtung des Zieles, sollten hierher aber nochmals zurückkommen.

Knapp nach Mittag trafen wir dann beim einzigen konservierten nukleargetriebenen Schiff der Navy ein (denn normalerweise werden die Nukes der Navy zu Coladosen gepresst). Das Nautilus-Museum in Groton hat seinen Namen vom ersten nukleargetriebenen Schiff der Welt, eben jener Nautilus. Neben einigen konservierten Midgets (ex-IJN etwa, aber auch von der Navy selbst) allerlei lustiger Bewaffnung (einer Polaris etwa, oder einem ADCAP, sowie einer T-Hawk) und dem Sail der George Washington liegt dort eben auch die Nautilus. Die vorderen Abteilungen sind begehbar (bis zum Attack Center - logisch, weil dahinter versteckt sich das ehemalige reactor compartment und da darf - obwohl natürlich ausgeräumt - keiner rein). Aber die grausige Unart schlecht zu beleuchten und alles hinter Plexiglas zu verpacken (welches den Blitz der Kamera so schön reflektiert) sorgt dafür dass fotografieren dort drunten schwierig bis sinnlos ist.

Die Nautilus liegt direkt südlich der U-Boot-Piers der Navy - ein Boot war auch zu sehen. Fotografieren war problematisch, war doch Navy Personal nie mehr als 10 yards entfernt - schwer da unauffällig das Tele aufzustecken und mal gach raufzufotografieren. Versuche vom anderen Ufer der Themse (ja, der Fluss ist die Thames, und die Stadt am anderen Ufer passenderweise New London; wir sind ja auch in New England) rüberzufotografieren waren auch nicht wirklich erfolgreich da man hätte bis zu den Hüften in den Fluss müssen um überhaupt durch die Uferbepflanzung (zweifellos absichtlich gepflanzt) durchfotografieren zu können.

So gings zurück nach Foxboro wo im ProStore zugeschlagen wurde (nicht für mich, für meinen Bruder) und die Patriots Hall besucht wurde. Die Lombardi Trophy sieht aus als ob man einen Plastikpokal bei einem drittklassigen Juwelier gekauft hätte. Dann doch lieber der Stanley Cup.

12.08.2010

Eine Woche in New England, Teil 5

Disclaimer: Das rumschleichen um Anlagen welche mit gelben Schüdln, dem amerikanischen Pendant (a.k.a. UODFA - "Use of deadly force authorized") oder irgendwelchen Verbotsschildln beklebt sind, sowie deren betreten oder fotografieren ist ein Akt der sich am Rand nicht nur der Legalität sondern auch der Vernunft bewegt, zuweilen auch darüber. Ich rate dringend davon ab selbiges zu tun - es reicht schon wenn ich das, hierzulande, in den USA oder sonstwo, mache.

"Das riecht aber komisch hier"

Der angekündigte Regen zeigte sich bereits ab der Nacht auf Donnerstag in Form schwerer Wolken und drückender Schwüle. Da ich heute eh nicht geplant hatte durch die Pampa zu steigen war mir das soweit egal - aber für den Nachmittag hatte ich Freiluftsport vorgesehen, und gerade in Fall River bräuchte ich eigentlich keine fallenden River.

Zuerst gings nach Quonset, südlich von Providence. Am Rand des ehemaligen NAS Quonset Point, jetzt Holland ANGB, findet sich das Quonset Air Museum. Und ringsum befindet sich das Rumpfsegmentwerk von GDEB wo gerade die Teile für die Virginias zugeschnitten werden bevor sie nach Groton kommen. Dutzende "Defense Plant"-Schilder warnen dich vor Trespassing und Fotografieren und wenn du vom Museumsareal zu auffällig rüberfotografierst, "They will get ya", wie der ältere Herr im Museum-Foyer so schön sagte.
Der alte kaum restaurierte WWII-Hangar macht keinen guten Eindruck, auch wenn sich in ihm das eine oder andere Juwel findet. Eine frisch restaurierte A-4F in Blue Angels-Livery (wenn auch gefaked) sowie die einzige existierende Curtiss XF15C etwa. Und neben einer AGM-12 findet sich auch eine flugfähige Vampire schweizer Herkunft.
Ulkig ist auch der bei Museen omnipräsente Schrottplatz (wenn auch in manchen nicht zugänglich) - hier finden sich etwa die traurigen Überreste (in absteigender Reihenfolge nach Zustand) einer F-4, T-33, A-4, T-37, T-38 und O-2.
Gestört wurde man dabei nur durch den Lärm der gelegentlich startenden gestreckten Herky IIs aus Holland.

Einen vorgesehenen Besuch auf NAS Charlestown (or whats left of it anyway) hab ich aus Zeitgründen verworfen und bin stattdessen auf die andere Seite der Narragansett Bay gefahren. Fall River beherbergt, direkt unter der Braga Bridge gelegen, das grösste Schiffsmuseum der Welt. Also keine Modelle oder so, the real deal. Und der bereits bei der Cassin Young erwähnte Geruch sollte mich den ganzen Nachmittag verfolgen, und der war so intensiv und durchdringend dass ich dann genauso gerochen habe...
Neben vollständig restaurierten Elco-PTs findet sich dort unter anderem die Joseph P. Kennedy (FRAM-Gearing, samt ASROC-Starter) die schon während der Thirteen Days eine tragende Rolle gespielt hat. Zu ihrer linken findet sich das Balao-Boot Lionfish und ganz draussen, ein Klotz in der Bucht, die "Big Mamie", die USS Massachusetts (BB-59, South Dakota-Klasse). Gross genug zum sich darauf verirren.
Und zwischendrin, ein ganz besonderes Schmankerl: eine ex-Volksmarine Proiekt 1241 Raketenkorvette (NATO: Tarantul I), komplett samt Strela-Starter, AK-630 Gatlings und 4K40ern in den Startrohren.
Und ich war nicht zu früh fertig - auf dem Weg zum Chevy sind bereits die ersten Tropfen gefallen, Vorboten der Unwetter die mich auf dem Highway 24 noch ereilen sollten.

11.08.2010

Eine Woche in New England, Teil 4

Disclaimer: Das rumschleichen um Anlagen welche mit gelben Schüdln, dem amerikanischen Pendant (a.k.a. UODFA - "Use of deadly force authorized") oder irgendwelchen Verbotsschildln beklebt sind, sowie deren betreten oder fotografieren ist ein Akt der sich am Rand nicht nur der Legalität sondern auch der Vernunft bewegt, zuweilen auch darüber. Ich rate dringend davon ab selbiges zu tun - es reicht schon wenn ich das, hierzulande, in den USA oder sonstwo, mache.

"Out of sight"

Aufs Cape raus hätts heute gehn sollen, und dabei ein paar interessante Sachen sehen. Viele leere Kilometer sinds letztendlich geworden. B-55L, eine Nike Ajax-Stellung war schon direkt von der Hauptstrasse weg mit Schild und Schranken und barbed wire gesichert. Also war schon der erste Stop ein Reinfall.

Aber nicht der zweite Halt. Das verlegen von Einheiten ist ja nichts ungewöhnliches, aber das verlegen von ganzen Basen eher schon. Shea Field hats während seiner Dienstzeit geschafft an zwei unterschiedlichen Orten zu existieren. Zuerst NAS Squantum, und nachdem dieses vor über 50 Jahren planiert wurde, NAS South Weymouth. SoWey war die letzte aktive Basis der Naval Aviation in Massachusetts und hat wahrlich eine bewegte Geschichte hinter sich. Als Blimp-Basis in den 30er erbaut verfügte man einst über die zwei grössten Hangare der USA und noch bis in die 80er war SoWey neben Lakehurst der Hauptstützpunkt für die Blimp-Basteleien der Navy. 98 hat man hier die Rollläden hinuntergelassen und seitdem verfällt, von den Teilen die die CG als Housing verwendet abgesehen, die Basis zusehends. Aber noch immer sind die Überreste des grossen Hangars und der gewaltige Landebereich (eine 2,000 Fuss durchmessende Betonfläche) erkennbar.

Ich fahre über die Sagamore Bridge über den Cape Cod Channel und erkenne von dort droben in der Ferne die Spitze meines nächsten Zieles. Und muss zu meinem Bedauern feststellen dass diese Spitze auch das einzige ist was ich jemals davon sehen werde wenn ich nicht in Leavenworth landen möchte. Mehr als das Einfahrtstor zu Cape Cod AFS bekomm ich nicht zu sehen. Früher, als Otis AFB noch existierte, war diese Anlage ein Teil davon. Das grosse Air Force Schild informiert einen nicht was sich hinter zwei Meilen bewaldeten Hügeln verbirgt, nein, dass muss ein Verkehrsschild übernehmen. Das hiesige PAWS-Radar versieht als einziges der vier originalen PAWS-Anlagen (neben Otis AFB waren das Beale AFB, CA; Eldorado AFS, TX; und Warner Robins AFB, GA) nach wie vor seinen Dienst und wartet auf den nuklearen Angriff der nie kommt.

Das nächste Ziel ist wiederrum eine Radaranlage, 60 Meilen weiter. Ganz oben am Cape, kurz vor Provincetown, also fast schon am Ende der Welt findet sich die ehemalige North Truro AFS. Als Teil des Permanent-Netzwerkes (und später von SAGE) errichtet war Truro eine der ersten echten Radarstationen (post-Lashup) der USA und während der 50er und 60er auch parent station für Texas Tower 2, eine der drei von der Air Force gebauten Offshore-Radarstationen. Wurde Ende der 80er durch die FAA übernommen und ins JSS eingeliedert. Heute dreht sich dort ein ARSR-4 3D-Radar.

Ein Blick auf die ehemalige BOMARC-Startanlage der 26th ADMS auf Otis AFB und die Basis selbst (mittlerweile ja als Cape Cod CGS bekannt) blieb mir verwährt. Die ganzen Anlagen (wie auch Camp Edwards) liegen auf dem Gelände der Massachusetts Military Reservation und, wie Kaya Yanar zu sagen pflegt, "ich kumm dort net rein". Auch wenn die Route 130 genau am Ende der Rwy 05/23 entlangführt, sehen tut man genau gar nix.

10.08.2010

Eine Woche in New England, Teil 3

Disclaimer: Das rumschleichen um Anlagen welche mit gelben Schüdln, dem amerikanischen Pendant (a.k.a. UODFA - "Use of deadly force authorized") oder irgendwelchen Verbotsschildln beklebt sind, sowie deren betreten oder fotografieren ist ein Akt der sich am Rand nicht nur der Legalität sondern auch der Vernunft bewegt, zuweilen auch darüber. Ich rate dringend davon ab selbiges zu tun - es reicht schon wenn ich das, hierzulande, in den USA oder sonstwo, mache.

"No Sir, these are just for historical purposes!"

Da ich heute meine Schwester im Schlepptau hatte sollte der Tag etwas konventioneller beginnen. Auf der leider mautpflichtigen Interstate 90 gehts rüber nach Connecticut, also zuerst nach Springfield (aber nicht dieses Springfield, nur das mit dem M1911) und dann südwärts in Richtung Hartford.



Im Nordwesten von Bradley IAP, dem internationalen Flughafen Hartfords, gelegen gilt das New England Air Museum als bedeutendste luftfahrthistorische Sammlung New Englands (hence the name). Dort gabs jede Menge interessanter Dinge zu sehen. Im Freigelände fand sich einer der selteneren Airliner, eine ex-United Caravelle VI-R in AirEx-Livery, eine von 20 in den USA fliegenden Caravelles. Daneben eine CH-54B Tarhe, besser bekannt als Skycrane, vormals CTARNG. Sowie eine F-94C Starfire, Lockheeds aus der T-33 geborener Inter(ims)-Inter-Ceptor. Im inneren des Museums als strahlender Stern trotz ausgefallener Beleuchtung ("Today we're on a night mission, folks.", wie einer der Museumsleute meinte), B-29A 'Jack's Hack', Veteran von genau gar nichts. Und in einer Ecke findet sich noch etwas was man eher in Dayton vermutet - eine AGM-28A Hound Dog (und ja, das Ding ist tatsächlich nach Presleys Lied benannt), der lange Atomarm der BUFFs, damals im Jahre Schnee.

Den in Bradley stationierten Hogs der CTANG wollt ich zwar auch auf den Pelz rücken, da sich aber nach Karten- und Satellitenbildstudium keine brauchbare Sicht auf die Tarmac ergeben wollte bin ich von dannen gezogen... um ins zuvor erwähnte Springfield zurückzukehren und dort der MAANG ein bissel auf die Krallen zu schauen. Altersschwache Adler, vormals aus Otis bevor man den Laden der CG angedreht hat, standen dort in Westfield-Barnes MAP, der letzte Rest einer einstmals stolzen Interceptorflotte in New England (Dow, Otis, Ethan Allen, Grenier). Eher unerwartet war dort auch die Anwesenheit einer F-15C aus Mountain Home (dem Commander-Jet der 390th). (Ich weiss jetzt die Verschieberei der Air Force auch nicht auswendig, könnt mir aber vorstellen dass man in Barnes die Grauen der sich auflösenden 390th übernimmt).

Einen Besuch auf Westover ARB hab ich nach dem Studium meiner Unterlagen auch verworfen und so gings rauf in die Pampa. Westover Communications Annex Three, a.k.a. "The Notch", diente der Mighty Eighth als Ausweichkommandoposten für den Atomkrieg. Unserem Objekt A+K am Kolomannsberg nicht unähnlich dient auch dieser Bunker jetzt einem zivilen Zweck - die University of Massachusetts verwendet ihn als Archiv. I wonder whats stored in there.

Auf dem Heimweg wollt ich noch das ehemalige Air Force Plant 63 mitnehmen, weil ohnehin gleich bei einer Abfahrt von der Interstate gelegen. Nach vier brauchbaren Bildern von einem Parkplatz eine gute viertel Meile weg vom Werk wollt ich dann doch noch das Firmenlogo des aktuellen Besitzers draufbringen und bin noch etwa 200 Fuss in Richtung Main Gate gewandert. Und beim Schiessen dieses Bildes, auch wenns vor lauter Bäumen eh nix geworden ist, hat mich dann ein eben ausfahrender Angestellter beobachtet... Naja, die Details spar ich euch mal, aber ich hätt nicht gedacht dass ich es mal mit der Kleinstadtpolizei im Hinterland von Boston zu tun bekomme (gut, der Cop hätt wohl auch nie gedacht einen fotografierenden Ösi zu treffen). Ein Erlebnis reicher und fünf gelöschte Bilder ärmer bin ich also wieder von dannen gezogen (I didn't put up the disclaimer for nothing) - daher gibts von hier nix zu sehen.

Obwohl, wir sind ja im Land von Google. Und was ich mit meiner Canon vom Strassenrand nicht kann (oder darf) können (oder dürfen) die Leut vom Larry Page schon lange. Daher gibts, zwar ein bissel schlechter aufgelöst, aber doch, ein Google Street View Foto vom Werk. Mit dem zuvor erwähnten Parkplatz im Vordergrund.

09.08.2010

Eine Woche in New England, Teil 2

Disclaimer: Das rumschleichen um Anlagen welche mit gelben Schüdln, dem amerikanischen Pendant (a.k.a. UODFA - "Use of deadly force authorized") oder irgendwelchen Verbotsschildln beklebt sind, sowie deren betreten oder fotografieren ist ein Akt der sich am Rand nicht nur der Legalität sondern auch der Vernunft bewegt, zuweilen auch darüber. Ich rate dringend davon ab selbiges zu tun - es reicht schon wenn ich das, hierzulande, in den USA oder sonstwo, mache.

"Ich glaub ich steh im Wald"

Ich prügle also meinen Chevy auf der I-95 gen Norden und erfreue mich (ungebildeter Europäer der ich halt bin, Besitzer eines Golf noch dazu) an Automatik und Tempomat bis mich mein Navi (mein allzeit getreues iPhone, um US-Kartenmaterial ergänzt) dazu auffordert auf den Highway 4 abzubiegen...

... und von dort weiter auf den Pease Boulevard. Ahhhh... Pease International Tradeport, vormals Pease AFB, ist nur mehr ein Schatten seiner selbst. Wie viele der ehemaligen SAC-Basen (Presque Isle, Loring, Wurtsmith, Sawyer...) zum überdimensionalen Provinzflughafen degradiert gibts dort bis auf ein bissel General Aviation nix mehr. Den Trade kann man sich in Portsmouth aufmalen. Aber auch in den USA ist das Pentagon auch zur Regionalförderung da, und so wird eine Ecke der "Basis" als Pease ANGB von der NHANG belegt. Die ehemalige WSA (Weapon Storage Area, also das Eck wo früher die SRAMs rumgekugelt sind) ist mittlerweile Vogelschutzgebiet. Wer hätte das gedacht.

Nur ein paar Meilen weiter, grade nicht mehr in New Hampshire (sondern in Maine), findet sich die Navy und - schon wieder die Coast Guard. Letztere in Form des Kutters Campbell (W-MEC-909), einem Schwesterschiff der Escanaba vom Vortag. Erstere in Form des Portsmouth Naval Shipyard - wo nur ein paar Tage zuvor eine Korvette für den Oman vom Stapel gelaufen ist. Aber auch ohne die Korvette gibts genug zu sehen - ein unidentifiziertes Sub liegt grad im Dock. Mit ein bissel Analysefähigkeit stell ich fest dass es sich wohl um die Providence oder die Pittsburgh handelt - Kudos für den der mir sagen kann warum ich darauf gekommen bin. Und nach ein bissel Online-Recherche stell ich fest, ja, es ist die Providence. So much for OpSec.

Das nächste Ziel ist sowas wie der inoffizielle Höhepunkt meiner Woche. So inoffiziell, das mich das Navi gleich mal in eine Sackgasse lenkt weil die Wege auf dem der zu erreichen ist schon lange nicht mehr befahrbar sind. Nur unweit von Sharpner's Pond, der trotz des stolzen Namens nur mehr ein vertrockneter Tümpel ist, liegt der teuerste Baggersee der Welt. Fast 19 Millionen Dollar hat die Navy in heutigem Geld dafür ausgegeben dass dieses Loch gegraben wurde, und noch hunderte mehr damit die lustigen in Huntsville, auf Kwajalein, beim MIT, bei IBM und bei Bell/WE den Krempel entwickelt haben welcher hier mal hätte her sollen. Das Loch im Boden stellt die ehemalige Baugrube für das Perimeter Acquisation Radar des Sentinel ABM-Systems nördlich von Boston dar. Und mal von einigen Bohrungen im Fels, wahrscheinlich Sprenglöchern, abgesehen, deutet hier nix mehr auf die Signifikanz - auch politisch - hin, die der Teich mal hatte.

Jetzt stehe ich vor einem verschlossenen Tor. Gut, die Kette vom Schloss ist so lang dass das vor sich hin rostenden Maschendrahtzäunchen einen guten Fuss Spiel hat. Und nachdem ich mich davon überzeugt habe dass niemand in der Nähe ist bin ich irgendwie durchs Tor getunnelt. Blame Heisenberg. Ich maschiere also auf der überwachsenen Strasse hinter dem Tor davon während mein Chevy im Nike Village stehen bleibt. B-05L, eine ehemalige Nike Hercules-Startanlage nördlich von Boston, gleicht heute mehr einem Urwald denn einer militärischen Anlage. Ohne Mähwerk vor dem John Deere kommst du nicht mal in die Nähe der Gebäude und der legendäre Nike Berm hat sich zu einem verbrushten Hügel im Gelände reduziert. Die Magazine dürften verfüllt sein und die Elevatoren zugeschüttet, aber sie sind noch sichtbar. Und wenn man so durchs Unterholz stolpert kann man tatsächlich noch jeden einzelnen Startplatz finden, oder zumindest die zubetonierten Verankerungen der Startgeräte.

Unweit (oder doch ein bissel weiter) von Sharpner's Pond, an der State Road 40 gelegen, findet sich ein historisches Plätzchen. Oder weniger Plätzchen, eher Maschinchen. Denn das Gerät ist nicht während seines ganzen Lebens hier gestanden. Heute als Millstone Hill Radar bekannt (und früher bei Google Earth hinter einer Pixelwand verschwunden) steht hier oben der erste Spacetracker der Welt und das einzige Radar welches 1957 Sputnik im Orbit verfolgen konnte. Modifiziert und modernisiert dient es dem MIT bis heute, und zeitweise auch der Air Force. (Und wer sich über die halbe Antenne wundert: nicht mal ich kann auffällige Schilder und Schranken ignorieren ohne tatsächlich in Leavenworth zu landen.)

08.08.2010

Eine Woche in New England, Teil 1

"Heiss heute, hm?"

Eigentlich hätt ich gehofft dem österreichischen Wetter, also der Hitze, entkommen zu können. Aber die Wand die mich am Samstag beim Rausgehen aus dem Terminalgebäude von Logan Int'l begrüsst hat hatte was von einem Deja Vu. Turned out dass New England grad einen der heissesten Sommer seiner Geschichte erlebt.

Andererseits, für das was mich die nächsten Tage beschäftigen sollte war Sonnenschein eh besser geeignet als englisches Wetter.
Nach dem unvermeidlichen touristischen Einschub am Sonntag vormittag (DUKW-Amphibienfahrzeug-Tour durch Downtown Boston und den Charles River) und einem 115$-Mittagessen an der Long Wharf gings nachmittags zu Fuss rüber nach Charlestown ins U.S.S. Constitution Museum...

Ahja, the Old Ironsides. 213 Jahre alt, 5-facher Sieger gegen die Royal Navy, ältestes aktives Kriegsschiff der Welt, und einziges Schiff in der Navy ohne Kennung (früher mal war die IX-21). Ein prächtiger Kahn, keine Frage. Aber dass Männer vor 200 Jahren freiwillig Monate auf ihr verbracht haben, mit etwa der selben Besatzung die die USS Constitution der Sternenflotte in 250 haben wird, aber mit weniger sauberem Wasser und weit mehr Rum entzieht sich meinem Verständnis.

Auf der anderen Seite des Pier liegt die U.S.S. Cassin Young, Veteran von WWII und Überlebender von zwei Kamikaze-Angriffen. Und sofort steigt einem dieser unverkennbare Geruch aus altem Öl, alter Farbe und Rost in die Nase den ich schon von der Midway kenne und der mir im Verlauf dieser Woche nochmals begegnen sollte. Ja, die Hängematten der Constitution sind hier gegen fixe Bunks ersetzt - aber ansonsten hat sich in den 130 Jahren seitdem die Old Ironsides im Krieg war nicht soviel getan... gut, vielleicht vom Rum mal abgesehen.

Dann gabs noch, nach Objektivwechsel, einen Blick zur Coast Guard Station rüber, wo die Escanaba (W-MEC-907) am Pier lag. Sollte nicht der letzte weisse Kahn für diese Woche sein.