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12.04.2011

Am Sand

Und während die Adla und die RAF fröhlich über Lybien Kreise fliegt und nicht so recht weiss was man eigentlich machen will wirds in Mons und Stuttgart schön langsam ernst.

In der EU macht man sich ernsthaft Gedanken die EUBGs in den Einsatz zu schicken, quasi als eine Art neumoderner AMF. Diesmal halt nicht in die Kälte Norwegens, sondern in den Sand Lybiens.

Das ist ja alles ganz schön, aber eher fraglich ist ob sich das jemand überlegt hat. Das Konzept der EUBGs ist ohnehin schon sehr fraglich (erinnert mich an die Komposit-Divisionen der ARNG, Einheiten deren Kampfwert eh immer fraglich war, im Falle der Battle Groups halt von Divisions auf Regimentgrösse runtergebrochen), aber ich wett dass sich keine Nase Gedanken gemacht hat wie man so was überhaupt sustainen will, und auch womit. Gibt halt bei uns keinen Jungs in Scott die für nahezu jedes Deployment irgendwo einen Plan haben was man wann womit hinkarrt und fast wichtiger was man denen wann womit hintenachkarrt damit die nicht nach 5 Tagen am Zahnfleisch gehen.

Weil Battlegroup sagt sich so einfach wenn man seit Jahr und Tag damit kalkuliert von der Air Force und der Navy gratis mitversorgt und transportiert zu werden, wird jedoch ein bissel blöd wenn man plötzlich feststellt dass die eigene Transport- und Versorgungsfähigkeit, nun, durchaus passend, am Sand ist.

22.03.2011

Chefitäten

Wer sich die Berichterstattung rund um Operation Idly By ein bisschen reingezogen hat, also nicht die militärische sondern die politische Komponente, hat ungefähr eine Ahnung bekommen was denn da so abgelaufen ist. Sofern er ein bisschen ausserhalb der Agenturmeldungen denken konnte.

Idly By triffts nämlich ganz gut. Denn irgendwie hab ich den Eindruck dass Barack the Builder genau selbiges tun wollte, nämlich die Situation aussitzen. Denn während sein demokratischer Vorgänger zwischen Pennsylvania und Constitution Avenue einmal pro Jahr Leutz nach Rambouillet, Camp David oder Dayton geladen hat um die Konflikte dieser Welt zu lösen fliegt der Präsident der "im weissen Haus Kaffee serviert hätte" (O-Ton Bill Clinton über Obama) in die Pampa Brasiliens um über wer weiss was zu diskutieren. Und so bleibts an dem petite chef du grande nation, dem am Rande der Zurechnungsfähigkeit wandelnden Westentaschen-Napoleon Sarkozy, hängen was zu organisieren. Und während die UN über eine NFZ-Zone abstimmt und der Sarko die halbe Welt einlädt um die Intervention gegen Lybien plant sitzt der Obama in einem Land fest welches den Einsatz nicht unterstützt und muss der Navy mal eilig den Angriffsbefehl geben weil der Sarko das macht was ihm in den Kram passt und nicht auf die Yankees wartet.

Und so steht der Barack in Brasilia, die argwöhnisch schauende Rousseff hinter sich, und muss was von wegen nicht idly by verkünden und man kennt ihm ganz eindeutig an dass er das gar nicht sagen möchte. Und die Welt reagiert mit vorsichtiger Häme weil der Friedensnobelpreisträger ein anderes Land bombardieren lässt... Aber was bleibt ihm anderes übrig wenn der Sarko den petit chef ein bisschen zu ernst nimmt und sich am Dabbelju ein Beispiel nimmt und macht was er will.

Sämtlich Statements, auch die von Mullen und Co., zeigen auch ganz eindeutig wo man sich einordnet. Eigentlich will man mit der ganzen Sache nix zu tun haben, hat aber als einziger die militärische Kapabilität was zu tun. Auch wenn man bizarrerweise diesesmal nur der kleine Chef ist.

21.03.2011

Idle

Ja, das waren damals noch andere Zeiten, kurz nachdem sich der desert storm gelichtet hatte. Da wurde comfort geprovided, die democracy geupholded und hope gerestored. Aber manchmal brauchte man auch force, die war dann etweder ganz schön deliberate oder zumindest allied.
Aber auch schon zuvor war der cause just und der will earnest - und gelegentlich war alles so urgent dass man glatt zur fury werden konnte.

Und im neuen Jahrtausend da wollte man den freedom verbreiten, und zwar nicht nur unter den iraquis. Das war dann auch ganz schön enduring, also nicht der freedom, sonder eher das Unternehmen ihn zu verbreiten.

Aber das war damals. In einer Zeit in der die Regierung echte Militärpolitik machte und man per spin doctor versuchte nicht immer populäre aber notwendige Einsätze an den Mann zu bringen. Unter anderem auch über den Operationsnamen.

Und heute wo im Weissen Haus und im Pentagon die traurigen Gestalten sitzen agiert man ungefähr so wie die aktuellen Operationsnamen. Aus dem Zufallsgenerator.
Witzigerweise wäre "Odyssee Dawn" ein von SOCOM vergebener Code. Durchaus denkbar also dass einige Typen aus Benning schon seit geraumer Zeit in Lybien rumhirschen.

Es kann natürlich auch sein dass jemand im Pentagon - den ich gerne kennenlernen möchte - diesen Namen mit voller Absicht ausgewählt hat. Odysseus Obama dem schön langsam dawnt dass das alles ganz anders läuft als geplant (dazu vielleicht morgen mehr).

Denn wenns nach eben jenem ginge hätte die Operation wohl einen anderen Namen, einen Namen nicht aus dem Zufallsgenerator sondern von des Obamas eigenen spin doctoren.

Operation Idly By...

19.03.2011

These boots are made for kicking

Na wumm. (Und jetzt gerade ist das tatsächlich wörtlich zu nehmen - die Adla fängt schon an auf die Libyer zu ballern. Einer AS.30 von einer Rafale ist schon das erste Armeefahrzeug, wohl ein Technical oder eine andere Art von Carrier, zum Opfer gefallen.)

Auf einmal gehts doch. Warum weiss keiner so genau, aber die Adla ist als erste Vorhut der NATO schon in Libyen eingerückt.

Es wird sich zeigen wo das hinführt - denn im Moment kommt mir das wie das alte Travnicek-Zitat vor - "I was zwa net wo i hi wü, oba Hauptsoch i bin schnö do."

Zum einen wird man sehen was die USA jetzt unternehmen. Da siehts bislang nicht so aus als ob die Air Force oder Navy gröber was unternehmen wird. Damit könnte man in eine Situation kommen die 1995 schon mal über Bosnien fast eingetreten wäre - dass die europäischen Alliierten alleine eine Operation durchziehen müssen. Das wär damals wohl gutgegangen. Aber jetzt? Mit den Tommies am Sand und den Krauts die nicht wollen würde das bedeuten dass die Franzmänner das alleine durchziehen müssten. Die Adla und Aeronavale könnten, rein von der Strike Power, das zwar problemlos bringen, aber ohne das ganze HVA-Zeugs welches im NATO-Verbund im Regelfall halt die USA stellen wird das schwer zu derheben sein. Ein paar alternde KC-135 und E-3 sind nicht wirklich der Bringer. Und ELINT, ECM oder nahezu jede Art von ISR die über ein paar Pods unter einer Mirage 2000 hinausgehen kann man sich sowieso aufmalen.

Die zweite Frage ist dann wieder ähnlich der die man 99 über Serbien nicht beachtet hat. Was will man eigentlich? Damals musste man das ganze Land zweimal einstampfen um Milosevic wegzubekommen - genausowenig wie man damals die JVA niederhalten konnte wird mans heute mit den Libyern können. Man hat verlernt Luftstreitkräfte in Search and Destroy-Missionen einzusetzen - mittlerweile braucht man ISR oder TIC um Einheiten im Feld angreifen zu können. Das erste wird wieder ein Problem weil man nicht gegen reguläre Bataillone vorgehen kann (und ohne die USA dazu schlicht nicht fähig sein wird), und das zweite weils eben keine Troops gibt. Somit wird man relativ machtlos sein und wahrscheinlich jede Airbase und SAM-Stellung und bekannte Kaserne mit JDAMs, Paveways und Storm Shadows eindecken ohne dass sich was ändert.

Ohne boots on the ground wird man nicht viel weiterbringen - boots die man nicht haben will. Zumindest wenn man mehr machen will als als Token über Benghazi Racetracks fliegen.

17.03.2011

Zu spät

Wissts noch, damals in der schlechten alten Zeit? Als unsere traurige Politikerkaste Landesverteidigung komplett ignoriert hat und die Staatskasse lieber dem Konsum und dem ÖGB hint reingeblasen hat? Weil man wenn der Ivan gekommen wär ja vom White Knight im blauen Cape, der NATO gerettet worden wär.

Jaja... frag nach in Libyen. Auch dort hat man auf die NATO gewartet. Auf die UNO. Die Arabische Liga. Die Afrikanische Union. Die Xe. Wenauchimmer.

Gekommen ist keiner davon, nur Col. Muammars Armee. Die ist gerade dabei alles platt zu machen und die kleine Insurgency (a.k.a. Civil War formerly know as An attempt to overthrow an evil dictator) wieder zu beenden während obengenannte Organisationen (sans den Xe...) noch immer auf diesen Dienstag warten an dem man ihnen endlich einen Entscheidungsgenerator installiert.

Wobei, solang der Muammar den Franzmännern fröhlich Rafales abkauft haben die kein Interesse was zu ändern und die USA sind sowieso overstrechted wie ein Gummiringerl. Und sonst wird sich das keiner antun. Deswegen darf einer der ungustiösesten Dikatoren der in halb Afrika Krieg geführt hat und dem internationalen Terror über Jahrzehnte einen safe haven geboten hat auch weiter fuhrwerken.

Ja, das ist das bekannte Phänomen. Lieber nix tun, sonst könnt ja was falsches dabei rauskommen. Auch bekannt als die "Der Heinzi ist auf dem Klo"-Strategie. Dann kommt halt so was dabei raus. Oder sowas wie in Japan.

16.02.2011

NATO-Erfahrungen

Um vielleicht gleich von dem gestern angesprochenen Sager von Groucho Marx weiterzugehen bietet sich das dieser Tage wieder erstaunlich aktive Gespenst des NATO-Beitrittes an.

Ich mein, wer will das eigentlich? Klar, seit den 90ern sind jede Menge Länder bei der NATO die dort eigentlich auch nicht hingehören (Baltikum, anyone?), aber das sind letzlich Länder die den Wert der Landesverteidigung und eines europäischen (naja, fast) Militärs anerkennen.

Und wir? Unser einziges Motiv zur NATO beizutreten ist ja unverholener Luxembourgismus. Wir wollen uns hinter der NATO verstecken und glauben dafür nix tun zu müssen. Gut, ersteres ist ja eh schon so, aber manchen sind ja die popeligen 0,72 Prozent noch zu viel die wir noch ausgeben. Also wollen wir uns zu einer Art mitteleuropäischem Island machen. Kein Militär, aber trotzdem Verteidigung.

Die NATO wird natürlich den Teufel tun und sich diesen sicherheitspolitischen Amokfahrer genannt Österreich eintreten. Ein Spaltpilz wie wir würd die eh schon drei Fraktionen (pro-US, also Briten und Osteuropäer; anti-US, also Franzmänner und Deutsche; und der halbwegs vernünftige Rest) noch um eine erweitern, und zwar um eine die den Verein weit mehr lähmt als es gesund ist.

Wir versuchen ja sogar den peinlichen Versuch der EU so etwas wie ein gemeinsames Militär zu schaffen (a.k.a. Battlegroups) zu unterminieren - die NATO würden wir gewiss an den Rand der Funktionsfähigkeit bringen. Nahtod, quasi.

21.11.2010

Freude schöner Götterfunken

Im Blau-Weiss-Roten Oktober hat Prometheus mal gemeint ich möchte doch auch (m)eine Soll-Aufstellung der US-Streitkräfte zamschreiben.

Ja von wegen. Den Karren kann sich der Jar-Jar ganz allein aus dem Dreck ziehen. Da helf ich ihm nicht.

Ausserdem müsst ich dabei auf tausende Gegebenheiten Rücksicht nehmen - das will ich nicht. Dann beginn ich lieber mit einem relativ cleanen sheet Papier.

Wie wärs zum Beispiel mit einer kombinierten europäischen Armee? Dem erklärten Traum der Bundesheerauflöser, NATO-Verabscheuer und megalomanischer EU-Aussenpolitiker?

Ich halt euch auf dem laufenden wo das noch hinführt...

08.09.2010

Dunkelblauhelm Treaty Organisation

Die NATO. Einst wurde sie gegründet um den Westen Europas vor den Sowjets und ihren Vasallen zu schützen...

...und jetzt machen sich manche ernsthaft Gedanken über den Beitritt eben jener Sowjets, in der modernen Gestalt der Russen, zu eben jener NATO.

Höhö... mal davon abgesehen dass das niemals passieren wird, würd dies die NATO ja ad absurdum führen. Wobei, die NATO hat sich selbst eh schon ad absurdum geführt. Gegründet um mit Panzern Westdeutschland zu verteidigen führt man jetzt mit Gewehren Krieg am Hindukush. Na Grüss Gott.

Versteht mich nicht falsch, ich bin durchaus ein Befürworter einer Militärallianz die der UN nahesteht, dabei aber deutlich robuster als die Blauhelme ist. Aber ob die NATO, eine Organisation die nachwievor zu einem nicht unerheblichem Teil dem Hegemoniebedürfnis der USA dient und den Atomwaffeneinsatz noch immer in ihren Doktrinen stehen hat, dafür eine schlaue Wahl ist bezweifle ich mal.

Hier könnt die EU mit ihren Battlegroups durchaus punkten - aber solch eine Organisation, gleichsam einer NATO ohne Atomwaffen und Eier ist wohl nichts anderes als eine Variante der Blauhelme, nur ohne Pakis und Malaysier. Und, weils ja die Farbe der Union ist, mit dunkelblauen Helmen.

16.07.2009

Das Rad neu erfinden...

Aktuell versuch ich meinen Streitkräften (dem Heer) ein paar Einheiten zu beschaffen. Nachdem das Konzept ja mittlerweile steht (samt TOEs) versuch ich einen Verlauf der verwendeten Plattformen zu erstellen.

Dabei stolpert man interessanterweise über ein Konzeptloch bei den westlichen Streitkräften. Abgesehen von ein paar popeligen Scout Cars hats bis weit in die 70er gedauert (1976, um genau zu sein) bis man im Westen Radfahrzeuge eingeführt hat - zu dem Zeitpunkt hat man in der Tschechoslowakei schon eine 152er Haubitze auf Radlafette gefertigt und der Pakt hatte 10,000e BTRs/BRDMs im Feld.

Woher kommts? Die Einheiten die beim Pakt über die Jahrzehnte hindurch mit diesem ganzen Rad-Gemüse operiert haben (also die klassischen MotSchützen) waren nicht wirklich Panzergrenadiere, sie waren aber auch keine Jäger (ich mein, technisch gesehen war das die MechInf der Army auch nicht, aber die Army hat sie als mechanized eingesetzt was nicht wirklich schlau war) - es gab auf Seite der NATO kein Gegenstück. Dort hat man nämlich die Jäger kaum motorisiert, und wenn, dann in Bedfords und MUTTs.

Das war auf Seiten der Sowjets recht schlau - man hat nämlich für relativ geringen Aufwand (was kosten schon ein paar Aludosen mit sechs Reifen und einer 14,5er am Dachl) die Schlagkraft der Jäger um Magnituden verstärkt.

Als man dann - in diesem Jahrzehnt - im Westen auch damit begonnen hat large scale solche 6x6 oder 8x8-Geräte einzuführen hat man interessanterweise keine recht günstigen APCs mehr gewählt um den Jägern mehr Schlagkraft zu verleihen (das wird ja in diesem Jahrhundert durch die unsäglichen gepanzerten LKWs der MRAP-Klasse wahrgenommen) sondern man hat schwachbrüstige IFVs daraus gemacht und damit (allzeit kostenbewusst) die Grenadiere ausgerüstet - was für diese natürlich einen Fähigkeitsverlust bedeutet.

Wenn mans so betrachtet wärs wohl gescheiter gewesen diese "Neuerfindung" des Rades ausserhalb der Sowjetunion hätte nie stattgefunden.

24.03.2009

Die andere NATO

Noch was jährt sich aktuell... vor zehn Jahren fand die Operation Allied Force statt. Zum ersten Mal tat die NATO das wofür sie eigentlich erschaffen wurde - nämlich Krieg führen.

Jetzt, ten years after, kann sich die NATO vor lauter Gefechten gar nicht erwehren. Dem latenten mit Russland (soll noch jemand sagen der NATO wäre der Feind abhanden gekommen) dem internen um die Aufnahme neuer Mitglieder, dem echten mit den Taliban/Al Qaeda und dem vergessenen am Horn von Afrika.

Ist doch interessant dass von vielen der Zweck der NATO hinterfragt wird. Die NATO ist das erste Militärbündnis der Geschichte welches nicht nach Kriegsende (Zusammenbruch der SU) auseinandergefallen ist - und dies zeigt dass die NATO eigentlich weit mehr als ein Militärbündnis ist.

Es ist auch kein Wunder dass vor allem seitens der Russophilen gerne der NATO die Daseinsberechtigung abgesprochen wird. Die NATO ist nämlich das einzige ausserhalb der USA (ein EU-Heer steht ja noch in ferner Zukunft) was "echte" friedenssichernde Einsätze auf der Welt zusammenbringt - und meistens ist dieser Frieden einigen ausserhalb der NATO höchst unrecht.

Es ist deshalb jedesmal grosses Kino wenn einige gegen die NATO wettern... wenn einige bekannt friedliebende Nationen gegen den Kriegsverband NATO die verbale Keule schwingen kann man davon ausgehen dass diese Nationen vor allem um ihre eigenen Pfründe besorgt sind...