30.09.2010

Würgegriff

Also: wenn z.B. für eine C-130 ein AMP durchgeführt wird, dann wird eine Ausschreibung durchgeführt, und am Schluss gewinnt die Firma die die C-130 nur von den Airshows auf Paine Field kennt. Na klar, Boeing.

Und wenn die B-52 modernisiert wird? Na klar, dann wird nicht ausgeschrieben und Boeing bekommt einen 12 Milliarden Dollar-Multi-Year-Rahmenvertrag hintenreingeschoben, bei dem nichtmal der Leistungsumfang festgelegt wird.

Mind you, das ist keine aussergewöhnliche Modernisierung (also nix a la B-52J oder Megafortress) sondern einfach die Marie die man Boeing reinstopft damit die alten Vögel noch ein bisschen länger fliegen. Das sind immerhin 18 Millionen Dollar pro Airframe und Jahr - da würden sich neue Bomber auch im nu abbezahlen. Aber ich vergass, die neuen Bomber würde ja NG bauen...

Der Würgegriff den Boeing um das Pentagon hat ist nicht mehr schön.
Genausowenig wie den Geldberg den man in die 50 Jahr alten Vögel reinkippt weil man noch immer nicht fähig ist einen Ersatz zu beschaffen - wobei man den ja gar nicht bräuchte, aber solange man glaubt mit den alten BUFFs auf Taliban-Jagd gehen zu müssen (was bei der grindigen Payload und Range der restlichen Vögel im Arsenal dann wieder gar nicht mal so überraschend ist) kommt man halt um einen Bomb Truck nicht drum rum. Aber da könnt ich ehrlich gesagt auch eine C-130 bauen der ich zwei CSRL in den Bauch montier. Womit wir wieder am Anfang wären.

29.09.2010

Ausstiegsszenarien

Es ist nicht wirklich überraschend. Eigentlich hat es sich schon seit Monaten abgezeichnet - man wär auch blöd gewesen wenn mans nicht getan hätte. Aber letzlich ist es doch bezeichnend für ein Umdenken dass zumindest bei manchen eingesetzt hat.

Die US Navy hat jetzt bei Boeing das Super Hornet-Supplemental wahrgenommen und eingekauft. Fragt mich jetzt nicht welches Lot das sein wird (wird wahrscheinlich in der Lot 60 - 70 Gegend sein) aber für zumindest zwei weitere Jahre werden in Saint Louis Bugs vom Band rollen.

Klar, wenn man mir für 56 Mille einen Zweistrahler anbieten täte, mit der modernsten Avionik die du derzeit kriegen kannst (weil die F-22 kannst ja nicht kriegen, nicht mehr) dann würd ich ihn auch nehmen. Auch wenns nur eine Super Bug ist die jenseits der 350 Meilen Grenze nur sporadisch auftaucht - aber billiger kriegst moderne combat power einfach nicht.

Teurer natürlich schon - denn eigentlich hät man ja zusätzliche Bugs gar nicht gebraucht da die sich öffnende fighter gap ja eigentlich durch die F-35 hätte gefüllt werden sollen.
Nur hatte die Navy, die ja aus Geldsorgen ihre OHPs de-Mk13-en musste, und die JFK zu Coladosen pressen musste, und die Zumwalts auf 2 Stück kürzen musste, irgendwann Bedenken was diesen 120-Millionen-Dollar-Zaubervogel betrifft, welcher in den meisten flight regimes die Super Bug tatsächlich unterbietet.

Gut, die Bedenken hat mittlerweile eh jeder - von Fraser bis Kopp. Aber bei der Navy handelt man mittlerweile. Es ist vielleicht noch nicht soweit dass man tatsächlich an den Griffen zieht - aber während man eine Hand noch am Steuerknüppel hat hält ihn die andere schon. Den gelben Griff zwischen den Beinen. Man weiss ja nicht was kommt...

28.09.2010

Menagerie

Es ist ja nix neues dass die Notwendigkeit mancher militärischer Systeme bestehen bleibt, auch wenn man ein Programm einmottet. Dauert dann eben 15 Jahr bis man draufkommt dass so etwas doch ganz fein wär.

Bis jetzt hab ich das eigentlich immer nur auf high-tech-Gemüse bezogen, irgendwelchen Wunderraketen die man im Jahre Schnee gestanzt hat und letztendlich doch entwickelt hat. Aber wie uns die Army jetzt lehrt geht das auch auf einem ganz anderen Niveau.

Damals, in den 70er Jahren war die Army auf der Suche nach einem Nachfolger für ihre MUTTs, also jene bei Ford und Kaiser zu hunderttausenden gebauten Jeeps die noch immer auf dem Bantam basierten. Bevor man dann irgendwann beim HUMVEE gelandet ist hat man jede Menge hochinteressantes Zeugs ausprobiert und teilweise wieder zu Truppe gebracht, aus allen möglichen Gründen aber wieder gestanzt.

Da war zum einen der M274, bei der Truppe auch als mechanisches Muli bekannt und vor allem beim USMC und den Airborne Units im Einsatz. Das Ding war so etwas wie der Pinzgauer ohne alles. Boxer-Murl, kein Dach, keine Wände, ein Lenkrad, ein Sitzkissen und eine Ladepritsche.

Dann gabs da noch die M561, die Gamaunt Goat. Den schwedischen Hagglund-Fahrzeugen nicht ganz unähnlich war halt die Unfähigkeit der Amerikaner ein fähiges Offroad-Fahrzeug zu bauen ein bisschen hinderlich und so wurde das Ding nie der grosse Wurf.

Beide Dinge sind ein bisschen als Fussnoten in die Geschichte eingegangen.

Bis heute, wo man das Konzept wieder ausgräbt, das kleine, hochmobile Fahrzeug für die Infanterie. Nur, wie halt heute so üblich, muss das Ding unbemannt sein. Das Ding heisst GUSS und ist die - und die Gemeinsamkeit hat man doch mit den High-Tech-Projekten - schweineteure Version von den Geräten die man vor Jahrzehnten wieder ausgeschieden hat.

Aber ja, das ist die Army. Man entwickelt für eine halbe Milliarde Dollar ein unbemanntes Fahrzeug mit den selben Leistungsparametern eines Defenders... ein Fahrzeug dass man schon mal entwickelt hatte...

27.09.2010

Narrgames

Na, gestern hat das Politpanoptikum Österreich wieder zugeschlagen. Im steirischen Wahlkampf hattest die Wahl zwischen den Kommies, den Neonazis, den angrennten Bauernbündlern und der windigen SPÖ.

Ganz wunderbar dass sich die FPÖ, das ist jene Partei die man in anderen Ländern schon längst per Gesetz verboten hätte, mal gach verdoppelt hat. Und das nur weil man ein Computerspiel gemacht hat.

Wie würden also die anderen Parteien ihre Stimmen verdoppeln?

Für die ÖVP würde sich Civilization anbieten. Die ganze Karte mit Farmen überziehen und in jeder Stadt eine Bank bauen. Blöderweise gibts ja im 5er Teil keine Religionen und Corporations mehr - sonst könnt man noch die Raiffeisen aufstellen und die christlichen Werte pflegen.

Für die Grünen würd sich das neue Gran Turismo anbieten. Minuten, Stunden, ja wochenlang kann man spielen, und am Schluss ist man wieder dort angekommen wo man am Anfang auch schon war - an der Startlinie. Aber man hat zumindest den Eindruck dass was weitergeht.

Für die SPÖ wärs wohl ein x-beliebiges Sportspiel von EA. Die letzte Innovation liegt gefühlte 100 Jahre zurück, aber mangels fähiger Konkurrenz und einer kritischen Wähl... äh, Kundenschaft ist man ewiger Marktführer ohne eigentlich zu wissen warum.

Für die KPÖ kann das nur die neueste Auflage von Lemmings sein (auf der PS3 von mir aus). Mit einem längst ausgelutschten Prinzip aus dem Jahre Schnee kann man immer noch genug Geld machen um zu überleben. Auch wenn sich alles darauf beschränkt in den Untergang zu laufen.

Und irgendwie steht man am Schluss vor dem selben Schluss wie WOPR... gewinnen kann man das Spiel nur indem mans gar nicht spielt...

26.09.2010

Unzivilisiert

Seit Freitag ziert also Civilization V meine Festplatte. Abgesehen von Ultima und Might and Magic ist man damit (gemeinsam mit Heroes of Might and Magic, Resident Evil und vieleicht noch dem ein oder anderen Spiel) an der Spitze der PC-Nummerierungskette. (Klar, jenes Spiel das mittlerweile die 14 im Titel trägt wird ewig unerreicht bleiben.)

Eigentlich eh erstaunlich wie man das gleiche Spielprinzip 20 Jahre lang verkaufen kann - das geht dann eh nur indem man ständig umrührt. Fast wie bei Heroes of Might and Magic V wo ja auch viele blutiger Mord geschriehen haben (granted, das lässt sich aus dem Englischen nicht brauchbar übersetzen) macht sich auch bei Civ 5 Entsetzen breit dass das Spiel eben kein Civilization IV komma 5 ist. Spione, Religionen und Gesundheit wurden ersatzlos gestrichen und die Slider und der Stack of Doom mussten einem neuen Konzept weichen.

Und viele werfen jetzt Firaxis natürlich vor auf der CivRev-Schiene weiterzuarbeiten. Überraschung. Welcome to reality guys. Mit einem rundenbasierten Spiel welches zeitweise schon zur masters thesis in applied economics gereicht hätte (vor allem schwer gemoddete Civ IV-Installationen waren oft eine reine Zahlenwand) kann man kaum brauchbare Verkaufszahlen erzielen - und an einem Spiel welches ein kleine Gemeinschaft bis 2015 in Grund und Boden moddet verdient Firaxis halt nix.

Denn ein bissel ists wie mit den Barbaren - die sind zwider, aber einfach nicht wegzubringen. Also arrangier dich mit ihnen, zivilisier sie. Genau das was Firaxis auch mit CivRev gemacht hat: die Konsolen zivilisiert. Und damit den Grundstein für ein Imperium gelegt.

23.09.2010

Das ist ein Bingo...

Es gibt da dieses schöne Spiel - wenn man während eines unglaublich inhaltsleeren Vortrages genügend schwachsinnige Schlagwörter gehört hat hat man diese Variante des Bingos gewonnen. Ja, diese Wirtschaftstypen, das sind wirklich komische Leute. Und diese Politiker. Immer erzählen sie den selben Schmarrn, von Outsourcing und Mindestsicherung und was weiss ich nicht noch.

Aber eigentlich wurde der Bullshit ja beim Militär erfunden. Dort schmeisst man mit oft absurd komischen Akronymen für blödsinnige Ideen oder den blödsinnigen Ideen selbst schon seit dem ersten Weltkrieg rum.

Beispiele gefällig?

Na wie wärs mit COIN, aktuell grad das Mass aller Dinge. Da gehört natürlich auch ein MRAP dazu. Genauso wie IEDs, ISR oder ähnlicher Bullshit. Manche dieser Akronyme wurden schon vor ewigen Zeiten "umgebaut". MRE etwa...

Legendäre Worte die keine Abkürzung haben sind so Dinge wie Net-Centric Warfare.

Das Problem ist, ähnlich wie bei den Buzzwörtern am zivilen Sektor, dass man den Scheiss ("Bullshit") ja tatsächlich auch glaubt. Reichlich dubiose Formulierungen für inhaltslose Konzepte die irgend ein Think Tank (im zivilen Sektor sind halt Consulter) ersonnen hat und die man jetzt der Politik verkauft. Merke: Wenn dus nicht in maximal 5 Buchstaben abkürzen kannst, die sich auch noch aussprechen lassen, ist es nicht wert umgesetzt zu werden. Darum kann man mit Standortschliessungen und Einheitenauflösungen keinen Blumentopf gewinnen, aber wenn man das ganze BRAC nennt dann funktionierts, no matter how useless it would be.

Und jenes Spiel mit den Schlagwörtern das kannst eben nur im zivilen Sektor machen - stell dir vor bei der nächsten Gatesschen (oder Mullen oder Petraeus oder Schwartz) Ansprache springen reihenweise die Sergeants auf. Das wär dann mal ein Bingo...

22.09.2010

Übungsannahme

Man übt also, oder ist eigentlich schon fertig damit, in Allentsteig. Nicht bloss das popelige ÖBH, nein international. Wer hätte gedacht dass das ÖBH, das nichtmal mehr die Leos aus der Garage bekommt, tatsächlich multinational üben kann.

Gut, der Verdacht liegt nahe dass das ganze soviel Vorlauf hat dass man einfach nicht mehr absagen konnte. Ausserdem, für wie lange war das wohl das letzte Mal dass das ÖBH mit einem echten Heer in Berührung kommt? Die Gelegenheit wollte man wohl nicht einfach hergeben.

Den Vogel schiesst das BMLV aber mit der Berichterstattung ab (denn, ganz ehrlich, die FlAb könnt das eh nimmer). Wenn ich mir da die Berichte auf Blöd3 vor Augen halte in denen Drohnen als überteuerte Spielzeugflieger (wobei...) für sonnenbrillentragende Italiener dargestellt werden kommt mir das Frühstück hoch. Und wenn dann jedesmal die Kosten der Übung angegeben werden frag ich mich ob man sich in der Rossau noch spürt. Weil 1.) geht es niemanden an wieviels kostet und 2.) ist es irrelevant. Und darüber hinaus, also 3.) möcht ich wissen mit welchem mathematischen Hokuspokus man das ausgerechnet hat weils im Endeffekt eh zu 90% Kosten sind die ohnehin im Dienstbetrieb angefallen wären. Aber da man hierzulande auch Typhoon-Betriebskosten im B-2-Bereich zusammenrechnet schafft man das schon lange.

Es ist fast so als ob man sich für so eine Übung rechtfertigen müsste - Gott, das üben ist eine Kernaufgabe der Streitkräfte. Wobei, ich ja annehme dass der Bertl das absichtlich so aufzieht um ja allen zu zeigen dass man hier Geld "verbrennt" damit man ja der ÖVP irgendwelchen Wind aus den Segeln nimmt was ein Berufsheer betrifft. Vielleicht ist das ja das einzige Ziel der Übung...